09 Phonologische Störungen bei Aphasie

Prof. Dr. Sabine Corsten, Markus Mende

Workshop-Inhalt

Phonologische Störungen kommen bei Aphasie sehr häufig vor. Diese entstehen sowohl im Input als auch im Output auf unterschiedlichen Ebenen der Sprachverarbeitung. Sie können sich expressiv z.B. als phonematische Paraphasien oder Neologismen, als formale Paraphasien, als conduite d’approche oder als phonematische Unsicherheiten zeigen, auch phonetische Entstellungen gehören im weitesteten Sinne dazu. Rezeptiv sind sie eher schwer auszumachen, sie zeigen sich als Störung bei der Diskrimination von Lauten, bei der Zuordnung von Lauten zu Phonemen und beim lexikalischen Entscheiden (lexikalischer Zugriff). In aktuellen Sprachmodellen lassen sich im Sprachverstehen wie auch in der Sprachproduktion 3 Stufen der Verarbeitung unterscheiden.
Im Seminar werden die expressiven Störungen anhand eines Sprachverarbeitungsmodells eingeordnet. Daran anschließend soll ein modellorientiertes diagnostisches Verfahren vorgestellt werden. Schwerpunkt des Seminars wird die Darstellung modelltheoretisch fundierter Therapiemethoden zur evidenzbasierten Behandlung von phonologischen Störungen im Sprachoutput sein. Die Anwendung des modellorientierten Therapieverfahrens Ther-A-Phon wird demonstriert, aber auch andere Therapieansätze werden besprochen.

Referentenprofil

Markus Mende ist Logopäde seit 1993. Nach 2-jähriger Berufspraxis in logopädischer Praxis studierte er Lehr- und Forschungslogopädie an der RWTH Aachen. Abschluss 2000 mit einer Diplomarbeit über Leitungsaphasie. Drei Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Neurolinguistik des UK Aachen in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt zur modellorientierten Therapie phonologischer Störungen bei Aphasie. Derzeit Tätigkeit in einer Schwerpunktpraxis Neurologie (Aphasie/Dysarthrie/Dysphagie) in Aachen. Zudem Honorardozent an der Logopädenschule Aachen (Phonetik/Phonologie; Semantik; Sprechapraxie). Fortbildungsdozent. Er ist Mitautor der Therapiebände „Etwas vom Kurs abgekommen” und „Ther-A-Phon”.
Prof. Dr. Sabine Corsten schloss 2004 das Studium der Lehr- und Forschungslogopädie an der RWTH Aachen ab. Nach mehrjähriger Mitarbeit in der Abteilung Neurolinguistik der Uniklinik Aachen promovierte sie 2008 zu modellorientierter Therapie phonetisch-phonologischer Störungen bei Aphasie. Seit 2008 ist sie an der Katholischen Hochschule Mainz für den Bereich Logopädie zuständig, seit 2010 Professorin für Logopädie. Sie führt Forschungsprojekte im Bereich partizipationsorientierter Interventionen bei Aphasie bzw. im Alter durch. Aktuell beschäftigt sie sich mit digital unterstützten Maßnahmen.