05 Kognitive Kommunikationsstörungen nach erworbener Hirnschädigung: von schwer bis subtil

Dr. Jana Quinting, Dr. Ilona Rubi-Fessen

Workshop-Inhalt

  • Theoretische Grundlagen zu Kognitiven Kommunikationsstörungen (CCDs) und Abgrenzung zur Aphasie
  • Skizzierung eines Schweregrad-Spektrums anhand von Fallbeispielen (schwere CCDs (und Aphasie) bis subtile CCDs)
  • Vorstellung verschiedener Untersuchungsverfahren mit kritischer Diskussion
  • Vorstellung Therapeutischer Ansätze (insbesondere: Kommunikationspartnertraining)

Eine häufige Folge erworbener Hirnschädigung sind sprachlich-kommunikative Einschränkungen (Regenbrecht & Guthke, 2017; Büttner & Glindemann, 2018). Ein beachtlicher Teil dieser Auffälligkeiten lässt sich nicht als sprachsystematische Störung im Sinne einer Aphasie klassifizieren; Einschränkungen zeigen sich vielmehr in pragmatisch-kommunikativen Fähigkeiten: So verlieren Patient*innen beispielsweise den „roten Faden“ im Gespräch oder missachten das Turn-Taking. Ursächlich für diese Auffälligkeiten scheinen nicht-sprachliche, kognitive Beeinträchtigungen wie etwa Aufmerksamkeitsdefizite (z.B. Daueraufmerksamkeit, Wechsel des Aufmerksamkeitsfokus), Gedächtniseinschränkungen (z.B. Arbeitsgedächtnis), exekutive Dysfunktionen (z.B. Inhibition, kognitive Flexibilität) sowie beeinträchtigte sozial-kognitive Fähigkeiten.  Kognitive Kommunikationsstörungen (Cognitive Communication Disorders, CCDs) manifestieren sich dabei in einem weiten Spektrum unterschiedlicher Schweregrade (Quinting et al., 2023) und sind bedingt durch die häufig variierende Neuropathologie im klinischen Erscheinungsbild interindividuell stark heterogen.

Weniger als 50 % der Betroffenen mit kommunikativen Auffälligkeiten nach erworbener Hirnschädigung werden sprachtherapeutisch versorgt (MacDonald, 2017). Es ist zu vermuten, dass sich die Versorgungssituation im deutschsprachigen Raum noch gravierender darstellt (Baumgärtner, 2020; Thöne-Otto, 2020). Ein Grund dafür liegt in einem fehlenden Bewusstsein für das Störungsbild, in einer unklaren Terminologie sowie in der mangelnd spezifischen und sensitiven Diagnostik (Elbourn et al., 2017).

Im ersten Teil des Workshops werden die Grundlagen zum Störungsbild und seiner kognitiven Bedingungsfaktoren vermittelt. Anhand verschiedener Fallbeispiele wird das Schweregrad-Spektrum der CCDs skizziert. Zudem werden die besonderen Herausforderungen für die sprachtherapeutische Intervention bei dem Störungsbild besprochen.

Im zweiten Teil werden konkrete Vorschläge für die Diagnostik von CCDs sowie therapeutische Ansätze vorgestellt und die Anwendung anhand von Fallbeispielen demonstriert.

Referentenprofil

Dr. des. Jana Quinting, Akademische Sprachtherapeutin
Dr. Ilona Rubi-Fessen, Dipl. Logopädin, Lehrlogopädin (dbl)